In der Softwaretechnik, insbesondere im use-case-getriebenen Entwicklungsansatz, ist die Identifizierung vonAkteureneine grundlegende und entscheidende Aufgabe. Akteure fungieren als Brücke zwischen dem zu entwickelnden System und den externen Entitäten, die mit ihm interagieren. Die korrekte Identifizierung und das Verständnis von Akteuren ermöglichen es Teams, Systeme zu gestalten, die benutzerzentriert, funktional vollständig und an den realen Bedürfnissen ausgerichtet sind.

Dieser umfassende Artikel untersucht denZweck der Identifizierung von Akteuren, dieArten von Akteuren (menschliche und nicht-menschliche), ihreRollen und Verantwortlichkeiten, wie dieser Prozess verschiedene Bereiche der Softwareentwicklung unterstützt, und liefertwichtige Konzepte, Leitlinien und praktische Tippsfür den Erfolg.
Die Identifizierung von Akteuren ist nicht nur eine vorläufige Aufgabe – es ist eine strategische Tätigkeit, die das gesamte Entwicklungslebenszyklus prägt. Die wichtigsten Ziele sind:
Akteure helfen dabei, festzulegen, was sich innerhalb des Systems (der Software) befindet und was außerhalb liegt. Diese Klarheit verhindert Scope Creep und stellt sicher, dass das Team sich auf den richtigen Bereich konzentriert.
Beispiel:In einem Bankensystem ist der Kunde ein Akteur außerhalb des Systems, während das Transaktionsverarbeitungsmodul Teil des Systems ist.
Akteure repräsentieren echte Benutzer oder Systeme, die mit der Software interagieren. Durch ihre Identifizierung modellieren Teams tatsächliche Anwendungsfälle, die widerspiegeln, wie das System in der Praxis genutzt wird.
Jeder Anwendungsfall beinhaltet typischerweise einen oder mehrere Akteure. Das Wissen über die Akteure hilft, die gesamte Menge an funktionalen Anforderungen zu erkennen. Wenn man nicht weiß, wer das System nutzt, kann man nicht definieren, was sie tun müssen.
Akteure bieten eine gemeinsame Sprache für Stakeholder, Entwickler, Tester und Business Analysten. Sie erleichtern die Diskussion über Funktionen, die Validierung von Anforderungen und die Ausrichtung von Erwartungen.
Tester können Akteursrollen verwenden, um Test-Szenarien zu entwerfen. Zum Beispiel muss ein „Kunde“ möglicherweise „Anmelden“, „Geld überweisen“ und „Kontoauszug anzeigen“ ausführen – wobei jeder Schritt zu einem Testfall wird.
Akteure werden allgemein in zwei Arten eingeteilt:Menschliche AkteureundNicht-menschliche Akteure.
Das sind Personen, die direkt mit dem System interagieren.
Kunde
Administrator
Mitarbeiter
Manager
Support-Agent
Patient (in Gesundheitssystemen)
Haben Ziele und Absichten.
Interagieren über Benutzeroberflächen, Formulare oder Sprachbefehle.
Können Rollen mit unterschiedlichen Berechtigungen haben (z. B. Administrator gegenüber regulärem Benutzer).
✅ Tipp:Verwenden Sie rollenbasierte Benennung (z. B. „Registrierter Kunde“ anstelle von „Benutzer“), um Mehrdeutigkeiten zu vermeiden.
Das sind externe Systeme, Geräte oder automatisierte Prozesse, die mit der Software interagieren.
Geldautomat
Zahlungsgateway (z. B. Stripe, PayPal)
E-Mail-Server
Wetterdienst-API
IoT-Sensor
Legacy-System (z. B. alte Datenbank)
Keine Personen, sondern sie initiieren oder reagieren auf Systemaktionen.
Stellen häufig Integrationspunkte oder externe Dienste dar.
Können Use Cases automatisch auslösen.
✅ Beispiel: In einem E-Commerce-System ist die „Zahlungsgateway“ ein Akteur, der Zahlungen verarbeitet und eine Bestätigung an das System zurücksendet.
⚠️ Häufiger Fehler: Ein Systemkomponente als Teil des Systems zu betrachten, anstatt als externen Akteur. Frage immer: „Initiiert diese Entität einen Use Case?“
Verständnis der Rolle eines AkteursRolle und Verantwortlichkeiten verstärkt das Verständnis dafür, wie sie das System nutzen und was sie erwarten.
Beschreibt die Person oder das System im Kontext.
Oft verbunden mit einer Berufsfunktion oder Systemart.
Beispiel: „Kreditbeamter“ gegenüber „Kunde“
Die Aktionen, die der Akteur im System ausführt.
Die Ziele, die sie erreichen möchten.
Die Daten, die sie bereitstellen oder empfangen.
| Verantwortlichkeit | Beschreibung |
|---|---|
| Produkte durchstöbern | Produktlisten und Details anzeigen |
| Zum Warenkorb hinzufügen | Wählen Sie Artikel aus und fügen Sie sie in einen Einkaufswagen ein |
| Zur Kasse gehen | Versand- und Zahlungsinformationen eingeben |
| Bestellung verfolgen | Bestellstatus und Lieferupdates anzeigen |
✅ Best Practice:Dokumentieren Sie die Verantwortlichkeiten der Akteure in einer Tabelle oder in der Legende eines Use-Case-Diagramms, um Klarheit zu schaffen.
Die korrekte Akteuridentifikation beeinflusst mehrere Phasen des Softwareentwicklungslebenszyklus:
Hilft dabei, alle Benutzergruppen und externen Systeme zu identifizieren.
Verhindert das Verpassen kritischer Benutzerbedürfnisse.
Fördert die frühzeitige Einbindung der Stakeholder.
Jeder Use Case wird durch einen Akteur ausgelöst.
Ermöglicht die systematische Entdeckung funktionaler Anforderungen.
Hilft, redundante oder überlappende Use Cases zu vermeiden.
Leitet die Schnittstellengestaltung (UI/UX) an.
Einfluss auf Sicherheit und Zugriffssteuerung (z. B. Administrator gegenüber Gast).
Bestimmt Integrationspunkte (z. B. Drittanbieter-APIs).
Tester verwenden Akteursrollen, um Test-Szenarien zu erstellen.
Stellt sicher, dass alle Benutzerpfade abgedeckt sind.
Unterstützt die Erstellung automatisierter Testskripte.
Klare Akteursdefinitionen helfen bei der Erstellung von Benutzerhandbüchern und Schulungsmaterialien.
Erklärt, wer in dem System was tun kann.
In Agile helfen Akteure bei der Definition von Benutzerstories (z. B. „Als Kunde möchte ich mein Passwort zurücksetzen“).
Ermöglicht die Priorisierung der Backlog-Liste auf Basis der Benutzerbedürfnisse.
Ein Benutzer ist eine Person, die das System nutzt.
Ein Akteur ist jede Entität, die mit dem System interagiert.
Ein Benutzer kann mehrere Rollen übernehmen (z. B. ein Manager, der auch ein Kunde ist).
❌ Falsch: „Benutzer“ als einziger Akteur.
✅ Korrekt: „Kunde“, „Manager“, „Systemadministrator“
Akteure liegen außerhalb der Systemgrenze.
Schließen Sie interne Komponenten nicht ein (z. B. „Datenbank“ ist kein Akteur – es sei denn, es handelt sich um ein externes System).
Ein einzelner Akteur kann an vielen Anwendungsfällen beteiligt sein.
Beispiel: Ein „Kunde“ kann „Durchsuchen“, „Zum Warenkorb hinzufügen“, „Bezahlen“ und „Produkt bewerten“.
Ein Use Case beschreibt eine Aktion oder ein Ziel.
Ein Akteur löst oder nimmt am Use Case teil.
✅ Use Case: „Zahlung verarbeiten“
✅ Akteur: „Kunde“ und „Zahlungsgateway“
Befolgen Sie diese Best Practices, um eine genaue und sinnvolle Akteuridentifikation sicherzustellen:
Sprechen Sie mit Business-Analysten, Endnutzern und Systeminhabern.
Fragen Sie: „Wer nutzt dieses System? Wer sendet Daten an es? Wer erhält Ausgabe?“
Stellen Sie für jeden potenziellen Use Case die Frage: „Wer startet diese Interaktion?“
Die Antwort ist wahrscheinlich der Akteur.
Verwenden Sie keine ungenauen Begriffe wie „Benutzer“, „System“ oder „Person“.
Seien Sie konkret: „Registrierter Kunde“, „Drittanbieter-API“, „Mobilgerät“.
Denken Sie über direkte Nutzer hinaus: Sensoren, Cron-Jobs, externe Dienste.
Beispiel: Ein Wetter-Sensor könnte einen „Alarm senden“-Use Case auslösen.
Wenn es keine Person ist, fragen Sie: „Sendet oder empfängt es Nachrichten an das System?“
Wenn ja → ist es ein nicht-menschlicher Akteur.
Zeichnen Sie Use-Case-Diagramme und überprüfen Sie, ob alle Akteure dargestellt sind.
Stellen Sie sicher, dass kein Use Case „aktenlos“ ist.
| Tipp | Erklärung |
|---|---|
| Rollenbasierte Namen verwenden | Verwenden Sie anstelle von „Benutzer“ „Kunde“, „Admin“, „Lieferant“ – klarer und handlungsorientierter. |
| Aktoren nach Rolle gruppieren | Erstellen Sie eine „Aktorenliste“ mit Beschreibungen, Verantwortlichkeiten und Berechtigungen. |
| Nutzen Sie Personas | Erstellen Sie Personas für wichtige Akteure, um deren Ziele und Probleme besser zu verstehen. |
| Auf fehlende Akteure prüfen | Fragen Sie: „Was geschieht, wenn das System ausfällt? Wer wird benachrichtigt?“ → Oft werden versteckte Akteure sichtbar. |
| Die „Außerhalb des Systems“-Regel anwenden | Wenn etwas im System ist, ist es kein Akteur. |
| Iterieren und verfeinern | Prüfen Sie die Akteure in jeder Entwicklungsphase erneut. Neue Funktionen können neue Akteure einführen. |
| Dokumentieren Sie Akteure in einer Referenztabelle | Pflegen Sie ein lebendiges Dokument mit Akteurdetails für zukünftige Referenzen. |
Kunde – zeigt Konto an, überweist Geld
Bankangestellter – bearbeitet Kreditanträge
Geldautomat – sendet Abhebeanfragen
Betrugsdetektionssystem – überwacht Transaktionen und markiert verdächtige Aktivitäten
Zahlungsgateway – verarbeitet Kreditkartenzahlungen
Aktor: Kunde und Geldautomat
Interaktion: Kunde steckt Karte ein → Geldautomat sendet Anfrage → System überprüft → Geld freigegeben
✅ Der Geldautomat ist ein Aktor, weil er die Interaktion initiiert.
| Fehlerquelle | Warum es schlecht ist | Wie man es behebt |
|---|---|---|
| Interne Module als Akteure behandeln | Verletzt das Konzept der Systemgrenze | Fragen: „Ist dies innerhalb oder außerhalb des Systems?“ |
| Verwendung vager Begriffe wie „Benutzer“ | Führt zu Unklarheiten und fehlenden Anforderungen | Spezifische Rollen verwenden: „Kunde“, „Lieferant“ |
| Nicht-menschliche Akteure vergessen | Übersieht Integrationen und Automatisierungen | Denken Sie an APIs, Sensoren, Cron-Jobs |
| Annahme eines Akteurs pro Anwendungsfall | Übersieht komplexe Interaktionen | Erlauben Sie mehrere Akteure pro Anwendungsfall |
| Akteure während der Entwicklung nicht erneut überprüfen | Akteure können sich mit neuen Funktionen entwickeln | Akteure in der Sprintplanung und in Retrospektiven überprüfen |
Akteure in einem anwendungsfallbasierten Ansatz zu identifizieren, ist weit mehr als eine Formalität – es ist einstrategischer Eckpfeiler erfolgreicher Softwareentwicklung. Durch die klare Definition, wer mit dem System interagiert (sowohl menschlich als auch nicht-menschlich), erhalten Teams:
Tiefere Einsicht in die Bedürfnisse der Nutzer
Vollständigere und genauere Anforderungen
Bessere Systemgestaltung und Architektur
Verbessertes Testen und Dokumentieren
Stärkere Ausrichtung der Stakeholder
Wenn richtig durchgeführt, verwandelt die Identifizierung von Akteuren abstrakte Ideen in konkrete, umsetzbare Erkenntnisse. Sie stellt sicher, dass die Software nicht nur funktioniert – sondernechte Probleme für echte Menschen und Systeme löst.
Bücher:
Use-Case-Modellierung von Alistair Cockburn
Effektive Use Cases schreiben von Alistair Cockburn
Werkzeuge:
Visual Paradigm (für Use-Case-Diagramme)
Lucidchart / Draw.io (Diagrammierung)
Jira + Confluence (für Dokumentation von Akteuren und Use Cases)
Methoden:
Agile (Benutzerstories, abgeleitet von Akteuren)
Domain-Driven Design (DDD) – Akteure als Teil des Domänenmodells
🌟 Letzter Gedanke:
„Sie bauen keine Software für Systeme – Sie bauen sie für Menschen und die Systeme, die sie unterstützen. Akteure sind der erste Schritt, um zu verstehen, wer diese Menschen und Systeme sind.“
Durch die Beherrschung der Akteuridentifikation legen Sie die Grundlage für ein System, das nicht nur funktioniert – sondern wirklich wertvoll ist.