Die Business Process Modeling Notation (BPMN) ist ein leistungsfähiges Werkzeug, um Geschäftsprozesse in diagrammatischer Form darzustellen. Sie wird häufig verwendet, um eine Vielzahl von Informationen an verschiedene Stakeholder zu kommunizieren, oft unter Beteiligung mehrerer Organisationen oder Unternehmen. BPMN unterstützt drei Hauptkategorien von Prozessen: Orchestrierung, Choreografie und Zusammenarbeit. Dieser Leitfaden bietet einen detaillierten Einblick in jeden Typ von BPMN-Diagramm, deren Zwecke und deren Anwendung.
1. Orchestrierungsprozess
Definition
Ein Orchestrierungsprozess ist ein Standardprozess in BPMN, der typischerweise einen einzigen koordinierenden Blickwinkel modelliert. Er beschreibt einen Prozess innerhalb einer einzelnen Geschäftseinheit und ist in einem Pool enthalten. Dieser Prozesstyp verfügt in der Regel über einen gut strukturierten Kontext und ist am häufigsten in BPMN-Diagrammen anzutreffen.
Eigenschaften
- Ein einziger koordinierender Blickwinkel: Konzentriert sich auf die internen Prozesse einer einzelnen Geschäftseinheit.
- Gut strukturierter Kontext: Klare Definition von Start- und Endpunkten.
- Enthalten in einem Pool: Stellt die Grenzen der Geschäftseinheit dar.
Beispiel
Ein typischer Orchestrierungsprozess könnte eine Reihe von Aufgaben innerhalb eines Unternehmens umfassen, beispielsweise die Auftragsabwicklung, bei der jede Aufgabe von verschiedenen Abteilungen innerhalb derselben Organisation durchgeführt wird.

2. Choreografie-Prozess
Definition
Ein Choreografie-Prozess ist ein neuer Modelltyp, der in BPMN 2.0 eingeführt wurde. Er konzentriert sich auf die Interaktion zwischen Teilnehmern und legt den Fokus auf den Nachrichtenfluss anstelle der einzelnen detaillierten Aufgaben eines Prozesses. Choreografiediagramme gehören keinem Pool an und dienen dazu, festzulegen, wie einzelne Prozesse miteinander interagieren.
Eigenschaften
- Interaktion zwischen Teilnehmern: Zeigt den Nachrichtenfluss zwischen verschiedenen Geschäftseinheiten.
- Kein Pool: Gehört keinem bestimmten Pool an; konzentriert sich auf Interaktionen zwischen Prozessen.
- Choreographie-Aufgaben: Besteht aus Aufgaben, die Nachrichten zwischen Teilnehmern definieren.
Beispiel
Ein Choreographiediagramm könnte die Interaktion zwischen einem Hersteller und einem Kunden im Verkaufsauftragsprozess veranschaulichen. Der Kunde stellt eine Bestellung auf, und der Hersteller bestätigt sie, wobei jeder Schritt Nachrichtenaustausch zwischen den beiden Parteien beinhaltet.

Choreographie-Aufgaben
- Initiierende und nicht-initiierende Teilnehmer: Jede Aufgabe beinhaltet mindestens zwei Teilnehmer, wobei einer die Interaktion initiiert.
- Nachrichten-Definition: Nachrichten zwischen Teilnehmern werden innerhalb der Aufgabe definiert.
- Visuelle Darstellung: Der initiierende Teilnehmer wird in der gleichen Farbe wie die Aufgabe dargestellt, während der nicht-initiierende Teilnehmer in Grau erscheint.
3. Zusammenarbeitprozess
Definition
Ein Zusammenarbeitprozess zeigt die Interaktionen zwischen zwei oder mehr Geschäftseinheiten. Diese Interaktionen werden als eine Folge von Aktivitäten definiert, die die Nachrichtenaustauschmuster zwischen den beteiligten Entitäten darstellen. Ein Zusammenarbeitsschema ist durch die Anwesenheit von mehr als einem Pool erkennbar.
Eigenschaften
- Mehrere Pools: Zeigt den Nachrichtenfluss zwischen verschiedenen Geschäftseinheiten.
- Interaktionssequenz: Definiert die Reihenfolge der Aktivitäten und Nachrichtenaustausche.
- Schwarzer Kasten oder detaillierter Prozess: Pools können leer sein, als schwarzer Kasten dargestellt werden oder einen detaillierten Prozess innerhalb zeigen.
Beispiel
Ein Kooperationsprozess könnte ein Beschaffungsszenario beinhalten, bei dem ein Kunde mit einem Händler und einem Transportunternehmen interagiert. Jede Einheit verfügt über eigene interne Prozesse, aber das Kooperationsdiagramm konzentriert sich auf den Nachrichtenaustausch zwischen ihnen.
Öffentlicher vs. privater Prozess
Private (interne) Prozesse
- Detaillierter Prozessfluss: Zeigt den detaillierten Prozessfluss für jeden Partner an.
- Internes Fokus: Konzentriert sich auf die internen Prozesse innerhalb einer einzelnen Organisation.
Öffentliche Prozesse
- Interorganisationale Zusammenarbeit: Beschreibt die Interaktion zwischen verschiedenen Organisationen.
- Schwarzer Kasten: Behandelt die internen Prozesse der Partner als „schwarze Kästen“.
- Informationsaustausch: Gibt die Informationen und Objekte an, die zwischen den Partnern ausgetauscht werden.
BPMN-Konversationsdiagramme
Definition
BPMN-Konversationsdiagramme, eingeführt in BPMN 2.0, bieten eine übersichtliche Darstellung der Kommunikation zwischen Parteien. Sie enthalten keine Prozesslogik und konzentrieren sich auf die Gespräche zwischen den Parteien, ohne den einzelnen Nachrichtenfluss darzustellen.
Eigenschaften
- Übersichtsansicht: Zeigt die Gesamtkommunikation zwischen den Parteien an.
- Konversationsknotenelemente: Dargestellt durch Sechsecke.
- Konversationsverbindung: Dargestellt durch doppelte Linien.
Beispiel
Das Konversationsmodell in der Abbildung unten ist eine Darstellung der Kommunikation oder Nachrichten zwischen den beteiligten Rollen, wie sie im Choreographiemodell in der Abbildung im Beispiel 2 oben dargestellt sind. Das Konversationsmodell zeigt in diesem Fall eine Übersicht über die Gesamtkommunikation zwischen den Parteien. Dennoch zeigt es nicht die Reihenfolge der Kommunikation, wie dies im Choreographiemodell dargestellt wird.

Fazit
BPMN-Diagramme sind essenzielle Werkzeuge zur Modellierung von Geschäftsprozessen, und das Verständnis der verschiedenen Typen – Orchestrierung, Choreographie und Zusammenarbeit – ist entscheidend für eine effektive Prozesssteuerung. Jeder Typ erfüllt eine spezifische Aufgabe und bietet eine einzigartige Perspektive auf Geschäftsprozesse, wodurch BPMN ein vielseitiges und leistungsfähiges Werkzeug für die Modellierung von Geschäftsprozessen wird.
BPMN-Referenzen
- Komplette Anleitung zu Visual Paradigm für die Modellierung von Geschäftsprozessen
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